Was ist TCM?

Klingt banal, ist es aber ganz und gar nicht

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist mindestens 3000 Jahre alt. Wahrscheinlich ist sie noch älter, aber darüber existieren keine Aufzeichnungen. Sie ist nicht nur eine Medizin, sondern gibt auch sehr umfassende Empfehlungen für ein gesundes und langes Leben. Daher enthält sie auch einen großen präventiven Bereich, der aus drei Teilen besteht: Die Ernährungslehre nach den fünf Elementen, die Tuina-Massage und das Qi Gong (mehr dazu weiter unten). Der medizinische Teil umfasst die Akupunktur und die Kräutertherapie.

Eingebettet ist diese Lehre in eine Philosophie, die das Wechselspiel von allem, was existiert, mit einbezieht. Man betrachtet also nicht nur den Körper, den Geist und die Seele eines Menschen, sondern sein gesamtes Umfeld, das Wetter, das Klima, die Jahreszeit und letztendlich das gesamte Universum, die alle miteinander interagieren. Deshalb braucht man eigentlich auch keine anderen Aufgaben, Hobbys, Familie und Freunde mehr, wenn man sich mit intensiv TCM beschäftigt… Es ist mehr als eine Lebensaufgabe, das komplette  Wissen zu lernen. Daher spezialisieren Menschen sich auf einzelne Bereiche, die aber in sich auch wieder ganzheitlich aufgebaut sind und immer den Bezug zum Ganzen haben.

Als ich begann, mich mit der TCM zu beschäftigen, dachte ich, dass die Chinesen da wohl relativ willkürlich die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser ausgesucht hatten, um bestimmte Phänomene in der Welt und im Körper symbolisch zu beschreiben. Da schwang wohl noch eine westliche Arroganz oder besser gesagt Unwissenheit mit. Es hat natürlich etwas Verspieltes, wenn man Krankheiten mit „Feuer“ und „Wind“ bezeichnet. Möglicherweise führt das auch dazu, dass die TCM von manchen westlichen Medizinern (noch) nicht ernst genug genommen wird. Aber wenn man erst mal eintaucht in dieses Universum des chinesischen Denkens, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Je näher man sich damit beschäftigt, umso mehr Sinn ergibt jedes auch noch so kleinste Detail. Das zog mich mehr und mehr in seinen Bann. Da ich seit über 25 Jahren meine Träume aufschreibe, entdeckte ich sogar Parallelen zwischen meinen Traumsymbolen, chinesischen Bezeichnungen für Krankheiten und der jeweiligen Krankheit, die ich gerade hatte. Ich träumte also zum Beispiel von einem Sturm und hatte zu dieser Zeit körperliche Symptome, die ein TCM-Arzt der Krankheit „Leber-Wind“ zuordnen würde. Mein Körper sagte mir also in symbolischer Sprache, was mit mir los war, und stellte die Diagnose praktisch selbst. Nur ich verstand ihn leider nicht. Das ist nur ein Beispiel von vielen, die ich in meinen Traumtagebüchern gefunden habe.

Wer es genauer wissen möchte, findet hier einen tieferen Einblick in die TCM:

Yin und Yang

Yin und Yang sind zwei Pole, die miteinander interagieren und ineinander übergehen. So, wie die dunkle Nacht (Yin) sich irgendwann in eine Dämmerung wandelt und langsam in den hellen Tag (Yang) übergeht, kann man alle Prozesse auf der Welt und in unserem Körper auf diese Weise betrachten: Den Wandel von Kälte (Yin) zu Wärme (Yang), den Verlauf von oben (Yang) nach unten (Yin), die Dynamik zwischen Ruhe (Yin) und Aktivität (Yang), die Umwandlung von Nässe (Yin) in Trockenheit (Yang) u.v.m. Gleichzeitig enthält jeder dieser Pole auch etwas von dem anderen (daher der Punkt in der Darstellung von Yin und Yang).

Wenn Yin und Yang sich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden, sind wir gesund und fühlen uns wohl. Dieses Gleichgewicht ist aber nie statisch, sondern unser Körper ist ständig dabei, es auszupendeln.

In der Ernährung wird Yin und Yang bei den Zubereitungsmethoden berücksichtigt: Wenn ein Mangel an Yang besteht, verwendet man yangisierende Methoden, bei einem Mangel an Yin yinisierende Methoden.

Yangisierend: langes Kochen in Flüssigkeit, braten, trocknen, frittieren, räuchern, backen, heiße/ erwärmende Gewürze, Kochen mit Alkohol, grillen

Yinisierend: kurzes Kochen in Flüssigkeit, dünsten, einlegen, marinieren, einsalzen, dämpfen, getrocknete Meeresalgen/ frische Kräuter, fermentieren

Die fünf Elemente

Alle Erscheinungen im Universum, in der Natur und in unserem Körper werden in der TCM auch in die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser eingeteilt. Diesen sind bestimmte Eigenschaften wie zum Beispiel Farben, klimatische Bedingungen, Jahreszeiten, Sinnesorgane, Emotionen, Organe, Gewebe etc. zugeordnet. Hier ein kurzer Überblick:

Holz: grün, Wind, Frühling, Augen, Wut, Leber, Galle, Sehnen, Bänder, Nägel

Feuer: rot, Hitze, Sommer, Zunge, Freude, Herz, Dünndarm, Blut, Blutgefäße

Erde: gelb, feuchtes Wetter, Spätsommer und Übergänge der Jahreszeiten, Mund, sich sorgen/ grübeln, Milz, Magen, Muskeln, Fett, Bindegewebe

Metall: weiß, Trockenheit, Herbst, Nase, Trauer, Lunge, Dickdarm, Haut, Körperhaar

Wasser: blau/ schwarz, Kälte, Winter, Ohren, Angst, Nieren, Blase, Knochen, Zähne, Nerven, Kopfhaar

Wenn ein Element überbetont wird, kann es aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn ich also sehr viel Saures esse, viel Wind ausgesetzt bin, viel Wut habe und durch Computerarbeit meine Augen überanstrenge, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich in den entsprechenden Organen des Holzelements ein Ungleichgewicht entwickelt.

Da die Elemente nicht feststehend sind, miteinander interagieren und ineinander übergehen (das sieht man gut an den Jahreszeiten), ist ein besserer Begriff „Die fünf Wandlungsphasen“. Wenn zum Beispiel im Element Feuer über längere Zeit ein Mangel herrscht, wirkt sich das meist auf das folgende Element, die Erde, aus. Und später geht das dann auch auf andere über.

In der Ernährung werden die Geschmäcker den fünf Elementen zugeordnet. Jede Mahlzeit oder zumindest das Essen eines Tages, sollte alle Geschmäcker enthalten, damit die fünf Elemente in unserem Körper im Gleichgewicht bleiben. Aber wie meine Ururgroßmutter schon sagte: „Zu viel und zu wing ist immer ein Ding“ – Zu viel und zu wenig ist beides nicht gut. Es kommt also auf das richtige Maß an.

  • Sauer gehört zum Holz. Auch der Frühling wird dem Holzelement zugeordnet und in dieser Jahreszeit wachsen zum Beispiel auch viele säuerliche Kräuter. Dieser Geschmack wirkt schon in kleinen Mengen. Einige Spritzer Zitronensaft über das Essen genügen.
  • Bitter gehört zum Feuer: Wenn etwas verbrennt, wird es bitter. Kaffee hat eine Wirkung auf das Herz, das ja auch dem Feuer zugeordnet wird. In kleinen Mengen kann er gut für ein gesundes Herz sein, in großen Mengen sieht die TCM ihn als schädlich an.
  • Süß gehört zur Erde. Der süße Geschmack entspannt und nährt uns wie die Erde, der auch fürsorgliche/ mütterliche Eigenschaften zugeordnet werden. Im Übermaß schwächt es uns allerdings. Daher haben Menschen, die zu viel Süßes essen, oft Verdauungsprobleme, denn Magen und Milz werden der Erde zugeordnet.
  • Scharf gehört zum Metall. Da die Lunge dem Metall zugeordnet ist, wird klar, warum scharfer Rettich oft gegen Husten eingesetzt wird.
  • Salzig gehört zum Wasser. Meereswasser und unsere Tränen sind salzig.

Die Organuhr

Während des Tages hat jedes Organ zwei Stunden, in denen es besonders stark arbeitet und genau 12 Stunden später zwei Stunden, in denen es eher schwach arbeitet.

Für die Ernährungslehre ist wichtig zu wissen, dass der Dickdarm von 5-7 Uhr am stärksten arbeitet (Winterzeit). Daher muss man normalerweise morgens nach dem Aufstehen erst mal seinen Darm entleeren. Da nun wieder Platz im Bauch ist und wir Energie für den Tag aufnehmen wollen, kommt von 7-9 Uhr die Hoch-Zeit des Magens („Frühstücke wie eine Kaiser“). Von 9-11 Uhr ist dann die Milz dran, die man lieber in Ruhe arbeiten lassen sollte und in dieser Zeit nichts essen sollte. Die Zeit von 15-17 Uhr eignet sich gut, um viel zu trinken, da dann die Blase aktiv ist. Von 19-21 Uhr ist die Tief-Zeit des Magens. Daher kann er jetzt nicht mehr gut verdauen und man sollte ihm Ruhe gönnen.

Die Meridiane (Energieleitbahnen)

Der Begriff Akupunktur oder Akupressur sagt mittlerweile den meisten Menschen im Westen etwas. Aber worauf diese Techniken basieren, wissen viele wahrscheinlich nicht so genau. Die TCM beschreibt energetische Leitbahnen im Körper, die zum größten Teil den Organen zugeordnet sind. Diese Leitbahnen oder Meridiane verlaufen an den Armen und Beinen und teilweise durch den Rumpf. Auf jeder Leitbahn liegen Punkte, an denen man die Leitbahn und das ihr zugeordnete Organ besonders gut stimulieren kann. Dort wird die Akupressur durch Druck mit den Fingern oder speziellen Instrumenten oder die Akupunktur klassischerweise mit Nadeln angewendet. Die Punkte werden manchmal auch mit Moxibustion stimuliert, bei der kleine Kegel oder Zigarren aus Beifuß verbrannt werden. Diese werden möglichst nah an den Punkt gebracht.

Bei gesundheitlichen Beschwerden weiß ein TCM-Arzt, welche Punkte am besten stimuliert werden müssen, um den Energiefluss in den entsprechenden Organen wieder zu harmonisieren und ins Gleichgewicht zu bringen.

Ernährungslehre nach den fünf Elementen

Wie bereits oben beschrieben, werden in die Ernährungslehre Yin und Yang und die fünf Elemente und ihre Geschmäcker mit einbezogen. Wichtig ist auch noch die Thermik von Lebensmitteln, die wieder auf Yin und Yang zurückgeht.

Die Natur hat das schon clever gemacht: Wenn es im Sommer heiß ist, wachsen kühlende Lebensmittel wie Erdbeeren, Melonen, Gurken etc. Daher ist es auch wenig sinnvoll, diese im Winter zu essen. So wie man im Sommer nicht zu viele wärmende Lebensmittel essen sollte. Im Winter können wir uns mit Kohl, Maronen, Rindfleisch und vielen wärmenden Gewürzen aufwärmen. Aber auch hier wieder daran denken: Alles im richtigen Maß. Ein bisschen kühl oder neutral darf es auch mal sein. Welches Lebensmittel wie eingeordnet wird, findet man in Lebensmitteltabellen und auch in vielen Kochbüchern der fünf Elemente-Lehre.

Wichtig sind also immer saisonale, möglichst regionale  Lebensmittel. Daher besteht die Ernährungsberatung nicht aus exotischen Gerichten, sondern möglichst aus regionalen Zutaten. Sie erinnert manchmal an Hausmannskost, denn im Grunde wussten unsere Vorfahren auch, welche Ernährung am besten ist. Leider ist Vieles davon verloren gegangen. Das Fermentieren von Nahrungsmitteln ist zum Beispiel sehr gesund. Aber wer kann heute noch selbst Sauerkraut herstellen? Wenn es im Geschäft pasteurisiert verkauft wird, ist leider die positive Wirkung der darin enthaltenen Bakterien zerstört. Genauso ist es mit Apfelessig. Man kann beides aber auch noch im nicht pasteurisierten Zustand finden, wenn man ein bisschen sucht. Es hatte also schon einen Sinn, was unsere Vorfahren sich ausgedacht haben. Traditionelle Zubereitungsmethoden sind aber im Zeitalter der Lebensmittelindustrie wohl nicht mehr wirtschaftlich genug.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ernährungslehre ist die Bekömmlichkeit. Es gibt viele Verdauungshilfen und es wird auch berücksichtigt, was diejenige Person gerne isst. Denn schließlich hat es keinen Sinn, sich etwas rein zu zwingen, wogegen man eine Abneigung hat, selbst wenn es noch so gesund ist.

Möchtest du wissen, wie du deine Ernährung besser ins Gleichgewicht bringen kannst? Dann berate ich dich gern.

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